Tipps fürs Brettchenweben: Fehlersuche

„Sieht gut aus, ist aber nicht das, was ich wollte“ – ein häufiger Satz, den mein Mann erdulden muss, wenn er im gleichen Raum ist, während ich webe oder passender: mich verwebe.

Fehler passieren jedem Brettchenweber, egal ob Anfänger oder Könner. Und ists einmal passiert, gibts eigentlich nur zwei Möglichkeiten: den Fehler beseitigen und weiterweben oder den Fehler ignorieren/wegschummeln und weiterweben. Ich gehöre eher zu denjenigen, die den Fehler beseitigen, denn selbst wenn er im späteren Band nicht offensichtlich ist: Ich weiß, dass es ihn gibt. Fehler übergehe ich eigentlich nur, wenn ich sie sehr sehr spät bemerke (dann war er aber nicht fatal fürs Muster) oder wenn das Material ein Rückwärtsweben nicht zulässt. Aber bevor man Fehler öffnet, muss man sie natürlich finden. Und je komplexer die Technik, desto mehr Fehler sind möglich.

Ich unterscheide nun zwischen verschiedenen Fehlergruppen und -ursachen. Manche können immer auftauchen, manche sind technikabhängig. Bei den Lösungen beschränke ich mich auf das Öffnen der Fehler, nicht unbedingt ihrer Vermeidung. Ganz nach dem Motto: Durchs Korrigieren lernt man.

  1. Fehler im Einzug: Ist immer möglich. Kommt häufig vor. Auswirkungen auf das ganze Band, weil die Muster nicht wie gewünscht entstehen. Schlagwort: „Muster entsteht nicht“
    Lösung: Wenn noch am Bandanfang, nicht zurückweben. Mitten im Band Fehler zurückweben.  Patrone überprüfen, ob die Kettfäden entsprechend eingezogen sind und zwar sowohl von ihrer Anordnung als auch von der Brettchenstellung/-schärung her. Dies ist eine Standardüberprüfung beim Start eines jeden neuen Bandes (siehe Tipps fürs Brettchenweben: Mit den Augen weben)
  2. Fehler durch nicht geklärtes Fach: Immer möglich. Besonders häufig bei „klebrigen“ Materialien wie Wolle. Auswirkungen lokal begrenzt, da der Einzug an sich korrekt ist.
    Lösung: Fehler zurückweben, dabei den Schuss auf gleichem Weg zurückführen. Fach klären und weiterweben. Beim Weben darauf achten, dass alle Brettchen gleich stehen und bei Problemgarnen häufiger mal in die Kette reinschauen.
  3. Fehler im Drehrhythmus: Ist immer möglich. Kommt bei allen Techniken vor, je komplexer desto fehleranfälliger. Je nach Technik lokal begrenzt oder wirkt aufs ganze Band.
    Lösung: zurückweben und dabei mit der Patrone vergleichen (siehe: Mit den Augen weben). Dabei eine Stelle suchen, die mit Sicherheit fehlerfrei ist. Bei Mustern mit Webbrief an eine Stelle zurückkehren, die noch dem abgebildeten Muster entspricht.
  4. Drehgruppen falsch aufgeteilt: Häufig bei Schnurbindungsmustern mit Drehgruppen (z.B. laufender Hund, Birka-Muster) und Diagonalen, auch bei Doubleface möglich. Das Muster kann hier aus zwei Gründen nicht entstehen, und zwar a) weil die Brettchen falsch abgezählt wurden oder b) die Gruppen am falschen Punkt im Muster in die verschiedenen Richtungen gedreht wurden.
    Lösung für a: Vorgehen wie bei Punkt 3, dann nochmals die Brettchen richtig einteilen
    Lösung für b: Vorgehen wie bei Punkt 3, außerdem den Startpunkt der Patrone wiederfinden. Brettchen wieder einteilen und weben. Hilfreich ist, nochmals länger in eine Richtung zu drehen, um auch optisch das Gefühl für den Teilungspunkt zu finden.

 

Fünf neue Weberinnen

Gestern habe ich Webkurs gehalten und ich hatte fünf eifrige Schülerinnen. Bis auf eine Teilnehmerin waren alle komplette Neueinsteigerinnen. Einziger Wermutstropfen war das trübe Wetter, wo wir dann doch lieber in unserem Kursraum blieben statt es uns im Garten gemütlich zu machen.

Ich wünsche allen, dass sie den Einstieg in ein schönes neues Hobby gefunden haben und noch viele schöne Bänder weben werden.

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Hier das Band von Anette.

Webkurs-Vorbereitungen

Am kommenden Samstag, 10. Oktober, gebe ich bei uns zuhause wieder einen Brettchenwebkurs für Anfänger und natürlich fallen wieder alle notwendigen Vorbereitungsarbeiten an. Aber auch wenn das Binden der Anleitungshefte, Brettchenmachen und Garn-Vorrat-Überprüfen seine Zeit braucht, freue ich mich immer, neue Leute kennen zu lernen und ihnen das Weben näher zu bringen.

Ganz besonders dieses Mal ist, dass die Mehrheit der Teilnehmerinnen aus der Region kommt und auf der Gartenmesse Ende August auf meine Arbeiten aufmerksam wurde. Wer weiß, ob sich daraus nicht weitere Treffen ergeben?

Damit ich auch die Rahmen in Aktion präsentieren kann und für eine Fotosession für den neu gestalteten Brettchenwebershop meines Mannes, kommt auch noch ein neues einfaches Band auf den Rahmen.

Für den Nadelbinde-Kurs laufen die Vorbereitungen ebenfalls weiter – die Anleitung ist soweit fertig formuliert, aber die Vorführstücke müssen noch fertig werden. Nächstes Projekt: Handschuhe.

Tipps fürs Brettchenweben: Mit den Augen weben

Nicht nur stur zählen, sondern auch mal hinschauen, was man macht: Das ist beim Brettchenweben genauso wichtig wie bei anderen Handarbeiten und Handwerken. Aber dennoch erlebe ich bei den zahlreichen „Hilferufen“ von Brettchenwebern / Brettchenweberinnen, dass nur auf Patrone und das Zählvermögen (oder bei komplexen Sachen: dem Webbrief) vertraut wird und dadurch einige Muster misslingen. Komischerweise habe ich noch nicht erlebt bzw. davon gehört, dass ein Schreiner nach dem Anzeichnen einer Schnittstelle und dem Zurechtlegen des Holzes  unter der Kreissäge dann beim Sägen wegschaut, weil schließlich alles richtig vorbereitet ist. Auch wenn beim Weben keine Gefahr für Leib und Leben droht, gehen doch viele – und leider nicht nur Anfänger – beim Weben so vor: Der Einzug stimmt, man zählt bis 4 und es wird nix. Mein Credo lautet daher auch „Mit den Augen weben“.

Augeneinsatz dient nicht nur der Überprüfung, ob das gewünschte Muster nun in den Brettchen ist, sondern ist der erste Schritt zum eigenen kreativen Mustergestalten und – für diejenigen, die Muster aus alten Zeiten weben möchten – der Musterrekonstruktion nach Foto.

Aber wie webt man nun „mit den Augen“? Am besten geht das natürlich während des Webens – also einfach mal mit dem Muster üben, was grad auf den Brettern ist – später dann weitertrainieren.

  1. Übung – Patrone verfolgen:
    Wer noch zu den „Zählern“ gehört, schaut nun bei jeder Drehung, was mit dem Muster passiert. Ich gehe jetzt davon aus, dass die „Zähler“ meist noch mit einfachen Mustern arbeiten und jeden Schuss alle Brettchen in die gleiche Richtung drehen. Schaut, an welchen Teil der Patrone ihr bei welcher Drehung kommt. Was passiert? Öffnet oder schließt sich vielleicht eine Raute? Erscheint ein Punkt oder eine Reihe einer Farbe? Und nun erst einmal bewusst immer in die gleiche Richtung drehen, auch wenn das eigentliche Muster einem 4-4-Rhythmus folgt. Ab wann beginnt das Muster von vorne? Stimmt das Muster mit der Patrone überein oder muss noch etwas gerichtet werden? Webt bewusst mal viele Schüsse in eine Richtung, um Start- und Endpunkt der Patrone auszumachen und prägt euch die Optik der Stellen ein, an denen gewendet werden müsste. Hierbei könnten sich auch schon Ideen für Muster in anderen Drehrhythmen ergeben.
  2. Notwendigkeit – Patrone überprüfen:
    Durch das „In-eine-Richtung-drehen“ aus Punkt 1 können Fehler im Einzug oder der Brettchenstellung erkannt werden. Diese Überprüfung sollte vor JEDEM Weben gemacht werden! Reserviert euch ein Stück Kette fürs Muster-Finden und stürzt nicht direkt in das Muster. Denn stimmt hier etwas nicht, wird der Rest auch nichts. Damit schaue ich jetzt mal bewusst in die Richtung derer, die den laufenden Hund und seine Varianten sowie das Birka-Flechtband-Rezept weben. Opfert lieber 20 Zentimeter Kette anstatt euch mit zwei Metern Verlegenheits-Alternativmuster rumzuquälen, das ihr  gar nicht wolltet (ja, diese Muster können „auch schön“ sein, aber Hand aufs Herz: Ihr wolltet doch eigentlich nicht meterweise teures Garn für irgendwas vergeuden, oder?).
  3. Übung – neue Muster finden:
    Am besten geht diese Übung mit einem zweifarbigen Einzug für Diagonale – entweder als 2-2- oder 3-1-Einzug in einem Pfeilmuster (Beispiel s.u.). Im Musterteil sind 8-12 Brettchen, am Rand jeweils 1-2 Brettchen (bitte nicht auf den Rand verzichten – die paar Brettchen werten das Band auf!). Erst einmal in eine Richtung drehen, wie bei Punkt 2 gelernt. Stimmt alles? Dann solltet ihr Pfeile mit glatten Linien vor euch haben. Nun ist Spielen angesagt. Probiert regelmäßige und unregelmäßige Rhythmen aus. Im Grunde ist neben dem Pfeilmuster noch ein Rautenmuster („O“) möglich. Genug gespielt? Dann fortsetzen mit Plan: Setzt verschiedene Rauten zusammen, indem ihr z.B. eine Raute mit Punkt in der Mitte und eine ohne Punkt nebeneinandersetzt. Dabei mit den Augen schauen, wann sich die Drehrichtung ändern muss. Oder macht immer Pfeile zwischen die Rauten, so dass ein X und ein O entstehen. Auch „Fische“ sind möglich. Ich gebe hier bewusst keine Vorlage an – findet es mit den Augen (und Nachdenken) heraus.
  4. Fakultativ – Brettchengruppen:
    Wer mutig ist, kann nun weiter probieren mit dem Muster. Es gibt zahlreiche Vorlagen für „ägyptische Diagonale“ mit 2-2-Einzug. Hier gibt es erstmals Webbriefe, welche die Drehrichtung für verschiedene Brettchengruppen definieren. Hat man den richtigen Startpunkt, kann man problemlos das Muster nachweben. Und den Startpunkt findet man mit…..? Jawoll! Den Augen! Hinschauen wird hier immer wichtiger, nicht nur für den richtigen Start, sondern auch um 1. nach einer Webpause wieder ins Muster zu finden, 2. Fehler rechtzeitig zu bemerken und 3. zu wissen, wo und wodrin der Fehler lag. Da dies hier zu lang werden würde, werde ich der Fehlersuche einen eigenen Beitrag widmen.
Webpatrone
Beispielpatrone für Übung 3 – S und Z steht für den Einzug.

Neuer Webkurs am 10. Oktober

Am Samstag, 10. Oktober, findet von 10 bis 17 Uhr wieder ein Brettchenwebkurs für AnfängerInnen statt in unseren Räumen in der Bosenheimer Straße in Bad Kreuznach.

Die Kursgebühren betragen 60 Euro pro Person inkl. Webanleitung, Garn und einen Satz Brettchen.
Getränke stehen bereit, übrige Verpflegung auf Selbstversorgerbasis.

Mitzubringen sind ein bequemer Gürtel, Schere und ggf. was zum Schreiben. Und natürlich auch die gute Laune nicht vergessen.

Gewebt wird ein Band mit mehreren Mustern, anhand derer das Lesen einer Patrone vertieft wird. Webkurs

Anmeldungen und weitere Infos gibts per E-Mail: webmistress@wirweben.de