Acht neue Nadelbinderinnen

Am vergangenen Samstag war ich unterwegs in Worms, um acht Frauen das Nadelbinden zu zeigen. Da mein Fokus sonst auf dem Brettchenweben liegt, gebe ich deutlich seltener Nadelbindekurse und somit war es schon eine Zeitlang her, dass ich hier eine größere Gruppe unterrichtet hatte.

Für mich war das ein Grund, meine Unterlagen zum Unterrichten wieder zu überarbeiten und dabei merkte ich, wieviel sich gerade im Bereich des Nadelbindens getan hat, vor allem in den vergangenen Jahren. Als ich mit dem Nadelbinden anfing, gab es eine Handvoll englischsprachiger Seiten und ein Faltblatt von Agil. Dann gab es irgendwann Bernhards Seite und die Seite von Dago. Und inzwischen widmen sich viele Leute in Blogs und Videos dieser Handarbeit und transportieren die alte Technik auch in die moderne Handarbeitswelt.

Bei Gastgeberin Gisela gings nachmittags in fröhlicher Runde los. Einige hatten sich schonmal in der Technik versucht, aber es nicht weiter vertieft, andere waren blutige Anfängerinnen und alle waren voll motiviert. Auch wenn mein Handout recht umfangreich war, gabs erst einmal eine große Portion Praxis, damit die Technik sitzt. Gefühlte 100 Probeketten und kleiner Schläuche später hatte ich zufriedene Teilnehmerinnen, die ihr Handarbeitsrepertoire erweitert hatten.

Nadelbinde-Runde
Blick in die kreative Runde – leider wollte die Kamera nicht so…

Vielleicht schaffe ich es ja im kommenden Jahr mal wieder aufs Wormser Spektakulum und kann mir anschauen, was die Gruppe so über den Winter geschaffen hat.

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Fäustlinge

Eigentlich sind sie schon vergangene Woche fertig geworden – die Fäustlinge für den Nadelbindekurs. Statt des einfachsten Modells, Schlauch mit Loch, daran ein Käppi und einen Daumen, habe ich doch ein Modell genadelt, das mehr auf Form genadelt ist. Das Daumenloch ist durch Zunahmen ausgestellt und ermöglicht angenehmere Handbewegungen. Der blaue Abschluss wurde – wie der Name schon sagt – zum Schluss angenadelt.

Statt ein neues Paar Socken zu starten, habe ich aus einem fetten Garn aus dem Fundus noch ein Utensilo genadelt. Umgedreht könnte es vielleicht auch als Pillbox-Käppi durchgehen, aber ein Utensilo ist doch besser.

Trotzdem gibts „neue“ Socken. Seit längerem dümpeln Socken mit Klas-Brita-Ferse (oder in der Nadelbindegruppe als Fingerferse benannt) in der UVO-Kiste. Noch ein paar Reihen an den Schaft und sie kommen am Wochenende mit.

Was ich unbedingt mal (weiter)nadeln muss, ist ein neuer Schal. Ein Möbiusschal ist noch in der UVO-Kiste. Mir gefiel der Stich irgendwann nicht mehr und da blieb das Ding liegen. Aber ob es bis zum Wochenende auch einen neuen alten Schal gibt, weiß ich noch nicht.

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Mützen nadeln oder: Wann ist der Teller groß genug?

Mein erstes Stück der Trias „Mütze, Socken, Handschuhe“ ist fertiggestellt – eine einfache Mütze, deren einziger Zierrat aus einem farblich abgesetzten Rand besteht.

Eine nadelgebundene schlichte Mütze.
Eine nadelgebundene schlichte Mütze.

Obwohl das Anfertigen einer einfachen Kappe sehr einfach ist, zweifle ich dennoch zwischendurch, ob das fertige Stück auch um den gewünschten Kopf passt oder jemals die Form einer brauchbaren Kappe annimmt. So sagte mein Mann, als er die halbfertige Kappe rumliegen sah: „Oh schaut, sie nadelt einen Obstkorb.“ Nett. Aber mit zunehmender Reihenzahl wurde der „Obstkorb“ doch noch eine vorzeigbare Mütze. Also: durchhalten und dabei die merkwürdigen Zwischenformen einer Kappe kennen, ist meine Devise. Nach einigen Käppis weiß man, wenn was schief läuft und das kann sogar noch einem versierten Nadelbinder passieren, z.B. bei einer ungewohnten Garnstärke, oder man verzählt sich etc…

Daher hier einige Tipps (keine Anleitung!) für eine Mütze, die sich überall (!) gemütlich an den Kopf schmiegt und auch die Ohren warm hält.
Ein allgemeiner Hinweis vorab: Es gibt zwei Möglichkeiten, Mützen zu machen – entweder von oben nach unten oder umgekehrt. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Passiert es bei der ersten Variante oft, dass man den Kopfumfang nicht trifft, so kommt es bei der zweiten Variante häufig dazu, dass falsche Abnahmen zu einer (ungeplanten) Zipfelmütze führen.

  1. Flach bleiben! Start bei der Methode von oben nach unten ist immer mit einem Teller, d.h. einem runden flachen Arbeitsstück. Dabei sollten die Zunahmen regelmäßig platziert und das Werkstück oft kontrolliert werden. Reduziert man zu früh seine Zunahmen, zieht sich das Stück zu früh zusammen, es entsteht ein Zipfel bzw. das Käppi wird zu klein. Nimmt man zu viel zu, wellt sich der Teller. Letzteres ist weniger schlimm. Ist die Endgröße noch nicht erreicht, die Zunahmen reduzieren, aber regelmäßig bleiben. Keine Angst, bei diesem Schritt sieht die Mütze aus wie ein Topflappen.
  2. Zählen. Damit das Flachbleiben funktioniert, sollten die Zunahmen regelmäßig sein. Also immer schön mitzählen, damit man weiß, wann die nächste Runde beginnt.
  3. Markieren. Falls man doch nicht zählen möchte, immer einen Maschenmarkierer (Haken oder einfach einen kurzen Faden) in den Rundenbeginn einlegen, dieser wandert dann von Runde zu Runde weiter.
  4. Maßeinheit Hand. Für die Endgröße des Tellers kann die eigene Hand als Messhilfe genommen werden, denn der Abstand von Mittelfinger zur Handwurzel entspricht ungefähr dem Kopfdurchmesser von Stirn zu Hinterkopf. Damit die Mütze beim Rundennadeln nicht abrupt in die Runden ohne Zunahme übergeht, können 1-2 Runden vor Erreichen dieser Größe die Zunahmen reduziert werden. Das kommt aber aufs Material an.
  5. Stimmt der Umfang auch wirklich? Wer für andere nadelt oder sich unsicher ist, kann natürlich den Kopfumfang mit dem Maßband messen oder einfach eine entsprechend lange Schnur um den Teller legen. Auch wenn das dickere Material zu Ungenauigkeiten führt – soweit ist ein Nadelbindestück dann doch noch dehnbar.
  6. Doch lieber andersrum? Für die Von-unten-nach-oben-Methode entfällt natürlich die ganze Messerei, daher ist diese praktisch für Anfänger, auch weil man erstmal ohne lästiges Zunehmen losnadeln kann. Aber die Abnahmen sind schwieriger: Hier die Schlaufenzahl ermitteln und schauen, durch welche größere Zahl diese teilbar ist, damit man dort die Abnahmen vornehmen kann. Am Ende kann es sein, dass über mehrere Runden nur noch Abnahmen erfolgen, um die Mütze schön rund zu machen.
  7. Dranbleiben! In diesem Stadium sieht die Mütze von oben nach unten aus wie besagter Obstkorb, aber lasst euch dadurch nicht verwirren und nadelt weiter. Ab hier wird es dann auch leider langweilig – viele Maschen, lange Runden, neue Projekte im Kopf… Und außerdem geht ab jetzt der Großteil des Garns drauf. Was mir bei vielen Mützen auffällt, die ich so sehe, ist, dass das fertige Stück nicht über die Ohren geht. Vielleicht nett, wenn das Teil nur Sonnenschutz sein soll, aber im Winter, wenn der Wind pfeift? Also egal, ob ihr die Mütze von oben nach unten oder umgekehrt arbeitet, achtet auf ein breites Stirnband – lieber zu lang arbeiten und dann die Mütze umschlagen, wenn die Ohren heiß werden.

 

 

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Mütze, Socken, Handschuhe

Gegen Ende Oktober gebe ich seit langer Zeit mal wieder einen Nadelbindekurs. Und dafür brauchte ich dringend neue Vorführstücke und entschied mich für die klassischen Gebrauchsgegenstände, die viele angehende NadelbinderInnen machen möchten: Mütze, Socken und Handschuhe.

Eigentlich dachte ich, dass ich irgendwo immer noch ein paar Sachen zum Zeigen habe, so lange wie ich schon nadelbinde. Aber bei der Ausmisteaktion vergangene Woche hatte ich festgestellt, dass bis auf ein Paar Socken und zwei UVO’s sämtliche Mützen, Socken und Handschuhe aus meiner Fertigung entweder in Gebrauch sind oder im Laufe der Zeit neue Besitzer gefunden haben. Zum Glück hatte ich auch festgestellt, dass mein Wollhaufen im Bereich „Nadelbindetauglich“ durch die opulente Spende meiner Freundin enorm gewachsen ist.

Faeroeerwolle

Also habe ich diese wunderbare Wolle von den Färöer-Inseln gegriffen und mich erstmal an die Mütze gemacht. Ganz schlicht, ohne Schnickschnack und ohne Schnörkel. Und auch wenn das sanfte Apricot die Mütze beim Tragen eher wie eine Glatze aussehen lässt: Für einen Kurs ist der helle Farbton perfekt, denn so ist das Stichbild gut zu erkennen. Auch die Wollstärke ist super für die Daumenfangmethode und das Garn leicht zu verarbeiten. Mal schauen, wie weit ich mit der Wolle komme, vielleicht gibts noch mehr Socken, Mützen und Handschuhe und Schals und Säckchen und und und….

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