Eine altpreußische Offiziersschärpe entsteht I

Als mich im Mai eine Anfrage bezüglich der Anfertigung einer Offiziersschärpe in Sprangtechnik erreichte, zögerte ich zunächst, denn mit Sprangstücken von solchen Ausmaßen in der Länge hatte ich bisher noch keinerlei Erfahrung. Hinzu kam noch, dass in der Schärpe recht edle und damit teure Materialien verbaut werden sollten, nämlich Seiden- und Silberfaden.

Dennoch wagte ich es und begann im Sommer mit den Vorbereitungen für das Projekt. Dank der Hilfestellung meines Auftraggebers und einiger Foreninformationen wusste ich auch, wie die Schärpen aufgebaut werden und welche Kompromisse hinsichtlich der vorläufigen Materialwahl leider zu treffen waren.

Zeitgenössische Schärpen bestanden aus Silberlahn und mit Silber versponnener schwarzer Seide. Gerade letzteres ist praktisch unmöglich zu bekommen, und bei ersterem bin ich auf den Materialvorschlag eingegangen, statt des Lahns Japansilber zu verwenden. Zwar wäre es möglich gewesen, Silberlahn in einer adäquaten Stärke zu erhalten, aber die Mindestbestellmenge für das Silbergespinst war zu hoch und für mein Budget zu teuer. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, in eine Massenproduktion von Handarbeiten unter Verwendung von Edelmetallgarnen einzusteigen.


Schappseide Nm8 und über 600m Japansilber

Im August hatte ich soweit alle Materialien beisammen, musste mich aber nach ein paar reinseidenen kurzen Probierstücken davon verabschieden, die weit über drei Meter lange Kette so wie meine sonstigen kurzkettigen Stücke zu verarbeiten.
Damit die Seide nicht verheddert und generell das Material geschont wurde, entschloss ich mich für einen großen Sprangrahmen für eine Endloskette. Zum Glück ist meine bessere Hälfte bestens vertraut mit Holzarbeiten und insbesondere Rahmen für textile Arbeiten und so stand nach einem Tag ein wunderbarer Sprangrahmen zur Verfügung.
Für das Sichern der Kette und die spezielle Arbeitsweise mit Endlossprang reichte der einfache Sicherungsfaden nicht aus. Also kamen noch Stäbe hinzu, die die Arbeit auf mehrere Reihen absicherten und zudem dazu dienen sollten, fertig gesprangte Stücke über die Rahmenholmen hinweg zu zur restlichen fertigen Kette zu schieben.


Sprangrahmen mit fertiger Kette

Dann ging es los. Das Bespannen des Rahmens verlief relativ problemlos, aber ich entschloss mich, die im Verhältnis zum Japansilber etwas dünnere Seide in der Fadenzahl zu erhöhen und 20 statt 15 Fadenpaare zu verwenden.
Die ersten Reihen waren aufgrund des empfindlichen Materials und auch der Tatsache, dass ich für die Mittelreihen immer eine Leiter erklimmen musste, eine zeitraubende Tortur. Das Japansilber ließ sich wider Erwarten sehr leicht versprangen, aber man musste aufpassen, dass das dünne Papierhäutchen beim Verdichten der Reihen nicht aufsprang. Die Seide hingegen war problemlos zu verdichten, dafür aber schwer zu versprangen, weil sich das leichte Material gerne untereinander verfing und Fehler provozierte, die es zu vermeiden galt.
Letzte Schwierigkeit war noch die Farbkombination: die Abwechslung des hellen Silbers mit der pechschwarzen Seide war anstrengend für die Augen und wegen der Schatten praktisch nur unter Tageslicht durchführbar – dies wurde mit den einkehrenden Herbsttagen und der Tatsache, dass ich tagsüber unterwegs bin , dann noch schwieriger.


Die spätere Mitte zu Arbeitsbeginn

Bei der Arbeit – noch im Stehen

Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an alles und mit einem schönen Hörbuch im Hintergrund ging die Arbeit dann allmählich besser von der Hand – wenn auch nicht so schnell, wie im Vorfeld kalkuliert. Zudem wanderte die Sprangkette dann in Regionen auf dem Rahmen, in denen ich mich nicht mehr recken musste, sondern bequem auf meinem Klavierhocker Platz nehmen konnte zum Arbeiten.


Die Sicherungsstäbe


Ein Blick ins Geflecht

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Fortgeschrittenes Weben

Am 31. Oktober fand zum ersten Mal ein Fortgeschrittenen-Kurs im großen Stil statt. Bisher war das immer ein 1:1-Unterrichten gewesen, jetzt kamen gleich 6 Damen zusammen, davon drei blutigste Anfängerinnen. Die übrigen drei hatten im Vorjahr meinen Anfängerkurs besucht.

Alles in Allem war es ein schöner Kurs, aber ich konnte längst nicht alles abhandeln, um das es in meinem zweiten Kursheft geht. Vielleicht lag es an dem verzögerten Kursbeginn, vielleicht auch, weil etwas mehr Hilfestellung vonnöten war als vorgesehen. Auf jeden Fall wusste jede Teilnehmerin später, wie ein Endloseinzug funktioniert und hat schöne Doublefacemuster produziert. Geköpert wird dann später…

Zufrieden war ich aber besonders damit, dass keine der erfahrenen Weberinnen in der Zwischenzeit irgendwie ihre Brettchen beschriftet hatte. Dies war tatsächlich durch den Anfängerkurs in Fleisch und Blut übergegangen. Sehr schön *freu*

Hier ein paar Eindrücke:


Ein gemeinsamer Blick ins Kursheft.


Beim Endloseinzug

Verlängerte Herbstferien

Weil Klassenfahrt ansteht, habe ich in dieser Woche noch ein wenig verlängerte Herbstferien. Zwar musste ich natürlich schon wieder an die Schule, aber es sind derzeit deutlich weniger von den Stunden, die auch ordentlich vorbereitet werden wollen.

Die Zeit nutze ich zur Weiterarbeit an den Kursunterlagen und ich bin mit meinem Sprang so weit gediehen, dass der Abschluss kurz bevor steht. Es wird allerhöchste Zeit, dass ich endlich wieder was anderes arbeiten kann. Ich kann keine Streifen mehr sehen. Aber ein paar neue Fotos muss ich noch machen zur vollständigen Dokumentation.

Webkurs-Testlauf

Webkurse gebe ich ja schon recht lange und das auch für Anfänger und Fortgeschrittene und dann auch noch zu Spezialthemen.
Da aber erfahrungsgemäß mehr Anfängerkurse stattfinden, weil sich die Zahl derer, die im Rahmen eines Fortgeschrittenenwebkurses weiter in die Materie vertiefen wollen/können, deutlich verringert, habe ich längst nicht solch ein schönes Heft für die erfahrenen Weber/innen wie für meine Anfänger.

Das erste Heft hat seine Kinderkrankheiten definitiv überstanden und wird so auch bald in Druck gehen, aber jeder, der bei mir weiterlernt, bringt neue Impulse zur Verbesserung des zweiten Heftes.
Heute hatte ich bei meinem Webkurs das Glück, in die weiterführende Materie vordringen zu können und so schon wieder einiges feilen können für die Kursunterlagen für den Webkurs am kommenden Wochenende. Dort werden die Weiterlerner aus dem Anfängerkurs bei den Hochwaldkelten versammelt sein.

Problem bei Endloseinzug, Doubleface und Köper ist halt, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte und dass Versuch und Irrtum auch manchmal schneller ein Ergebnis bringen als stures Nachdenken.
Meine Kandidatinnen erwartet neben der Praxis noch ein gut Teil Theorie und die will erst einmal verstanden sein… „S“ und „Z“ sind dann wirklich Kindergarten.